Gemeindekennziffer: 61259

GebäudeRussendenkmal

  • Adresse
    Selzthaler Straße
  • |
  • Lage
    Südlich der Röthelbrücke.

Anlässlich des Zusammentreffens von sowjetischen und amerikanischen Soldaten auf der Röthelbrücke wurde am 11. Mai 1945 von den Sowjets ein Denkmal südlich der Röthelbrücke neben der Schoberpassstraße B 113 aufgestellt.

Übersetzung der russischen Inschrift:
"Hier trafen sich mit den Befreiungstruppen der USA die Tanksoldaten der Saporoshjer-Garde - Tankbrigarde des Orden Suwarow, 11.05.1945, die kampfhandelnde rote Armee (Panzer)."

Anlässlich des 50-jährigen Gedenktages des Kriegsendes wurde am 12.05.1995 über Initiative des Chefredakteurs der Zeitung "Blick", Winfried Halasz, ein weiterer Gedenkstein zur Erinnerung an die Gefallenen der Wehrmacht aufgestellt.

Die Inschrift lautet:
"Zum Gedenken an hunderte Flüchtlinge und Soldaten, die in den letzten Kriegstagen in den Fluten der Enns ums Leben gekommen sind. Errichtet im 50. Friedensjahr in Dankbarkeit 11. Mai 1995"

Im März 2004 besuchte der damalige russische Generalmajor der Reserve, Aleksandr Orlov, Liezen und das Russendenkmal.


Beschädigung des Denkmals

  • 16.09.1947
Herr Gert Höller aus Rottenmann stellte dem Stadtarchiv die Kopie eines Gendarmerieberichtes über eine Beschädigung des Denkmals mit folgendem Inhalt zur Verfügung:

In der Nacht vom 16.auf 17.9.1947 wurde bei der sogenannten Rötlbrücke (Ennsbrücke) des Gemeindegebietes Liezen, das von der Roten Armee im Jahre 1945 errichtete Kriegerdenkmal von bisher unbekannten Tätern umgeworfen und beschädigt. Lediglich das Postament und die 6 Einfriedungesteine blieben unbeschädigt. Das Denkmal besteht aus Granit und hat eine Höhe von etwa 2.5o Meter.

Das Denkmal wurde seit seiner Aufstellung bisher schon 2 mal auf die gleiche Art beschädigt und wurde anläßlich des Einmarsches der Roten Armee an der damaligen Demarkationslinie aufgestellt.

Als mutmaßliche Täter dürften auch diesmal Angehörige der ehem. NSDAP oder der H.J. sein.

Die Forschung nach den Frevlern wurde sogleich eingeleitet, hat aber bisher kein positives Resultat gezeitigt, weshalb die weiteren Erhebungen weitergeführt werden.

Die Nachforschungen nach den Tätern werden noch dadurch erschwert, weil das Denkmal an einer Stelle steht, die zur Nachtzeit wenig beachtet und ziemlich einschichtig gelegen ist.


Festakt nach Renovierung der Denkmäler durch Familie Lysenko

  • 13.11.2025

Vor 80 Jahren stand Peter Lysenko gemeinsam mit seinen Eltern an der nach dem Kriegsende 1945 gesperrten Röthelbrücke. Die Enns bildete damals die Demarkationslinie zwischen den Sowjets und den USA, über die Röthelbrücke flüchteten unzählige deutsche Soldaten sowie Zivilisten, um in die amerikanische Besatzungszone zu gelangen. Unter den Zivilisten auf der russischen Seite befand sich ein aus der heutigen Ukraine geflüchtetes Paar mit dem neunjährigen Sohn Peter. Ein deutscher oder österreichischer Kriegsgefangener - ein Wehrmachtsoffizier, der für die Alliierten als Dolmetscher arbeitete - schmuggelte den Buben in einem Auto unter Gepäckstücken versteckt über die Röthelbrücke. Auch die Eltern sollten es noch über den Fluss schaffen. Am 10. Mai erreichten schließlich die Russen den Ennsübergang, am Tag darauf feierten die beiden Besatzungsmächte gemeinsam den Sieg über Hitler-Deutschland. Die Röthelbrücke war einer der wenigen offiziellen Punkte, an denen die Siegermächte USA und Sowjetunion aufeinandertrafen. Daran erinnert dort noch heute das sogenannte Russendenkmal, das durch die Nachkommen von Peter Lysenko renoviert und mit einer erklärenden Tafel ergänzt wurde. Nach einigen Jahren in Deutschland und Belgien ging die Familie Lysenko 1953 in die USA und ließ sich schließlich in Provo im Bundesstaat Utah nieder. Dort lernte Peter Janelle Brimhall kennen, die er 1959 heiratete und mit der er fünf Kinder haben sollte. Vor rund zehn Jahren kehrte Peter nach Liezen und zur Röthelbrücke zurück. Am 1. Jänner 2025 verstarb er kurz vor seinem 85. Geburtstag. Zum Gedenken an ihn entschlossen sich seine Nachkommen, die bereits vor drei Jahren einmal auf den Spuren ihres Vaters beziehungsweise Großvaters in Liezen gewandelt hatten, zur Renovierung der beiden Denkmäler an der Röthelbrücke. Am Donnerstag fand zu deren Einweihung eine Gedenkfeier statt. Ein bewegender Moment für die Familie, die nun nur noch einen Wunsch hat: Jenen unbekannten deutschen oder österreichischen Offizier - oder dessen Nachkommen - zu finden, der sie als Familie überhaupt erst ermöglicht hat.


Quelle: Kleine Zeitung Ennstal vom 16.11.2025, Seite 34 und 35.


Quelle: Akt zur Vorbereitung der Feierlichkeiten 1995, Stadtnachrichten 148. Folge, Juni 2004, Seite 48; Kleine Zeitung Ennstal vom 16.11.2025, Seite 34 und 35.
Verfasser: Mag. Helmut Kollau, März 2008; Mag. Katharina Ernecker, 24.11.2025
Letzte Überarbeitung: 24.11.2025
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